Big Mama VS. Catfish-Hunters!

Für die nächsten zwei Wochen war unsere Heimat die Petit Rhône in Südfrankreich!

Freitag der 13te... Für einen Tour-Auftakt hätte man sich wohl ein besseres Datum aussuchen können und daher stand unsere Session von Anfang an unter keinem guten Stern. Das erfuhren wir erstmals an der letzten Tankstelle in Frankreich, als die Kartenzahlung defekt war. Da wir nie Unmengen an Bargeld mitnehmen, kratzten wir unsere letzten Euros zusammen und waren somit blank.
Ehe wir uns versahen, kamen wir bei meinem Freund Nils Meuther im Wallercamp des schönen Flusses "Petit Rhône" im süden Frankreichs an, wo es direkt den nächsten Paukenschlag setzte.
Aufgrund einiger Komplikationen bzw. Unstimmigkeiten, auf die ich nicht näher eingehen möchte, konnten wir nicht wie gewohnt fischen und saßen erst einmal sechs Stunden im Camp, um eine neue Strategie festzulegen, die wie Folgt aussah:
Wir beschlossen den maritimen Bereich direkt um das Camp zwei Wochen lang zu befischen, über den immer gesagt wird, dass dort nur wenige Fische wären. Die Gründe dafür sollten unter anderem die Nähe zum Meer und der hohe Befischungsdruck sein, welcher auf den wenigen Kilometern sehr hoch ist.

Eine neue Herausforderung stand uns bevor und wir befischten nur den maritimen Bereich der Petit Rhône!

Nichts desto trotz nahmen wir diese Herausforderung an und machten uns mit dem Skiff auf, um einen vielversprechenden Platz zu finden. Weiterhin bestand unsere Taktik darin, ausschließlich auf die Bootsfischerei zu setzen, um an möglichst unbeangelte Plätze zu gelangen. Ein schmalerer Bereich mit einer tiefen Rinne und stark abfallende Uferkanten zog meine Aufmerksamkeit auf sich.
Da die Zeit langsam knapp wurde beschlossen wir dort das Boot zu verankern und erstmal vier Ruten zu setzen. Gesagt... Getan... Und schon brach die Dämmerung ein. Während mein Kumpel auf dem Stuhl im Boot pennte, machte ich es mir auf dem harten Boden bequem und es sollte nicht lange dauern, bis uns der nächste Tiefschlag heimsuchte. Nach langer Hitzeperiode fing es plötzlich an wie aus Eimern zu schütten, wobei das dazugehörige Gewitter wenigstens knapp an und vorbei zog. Alles war nass und ich suchte mein Schlaf in 20cm hohem Wasser, welches sich sofort im Boot ansammelte.
Langsam machte ich mir echt Gedanken, ob das etwas mit dem Mythos "Freitag den 13." zu tun hatte, wurde aber direkt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als ein plätschern direkt neben dem Boot nicht aus meinem Ohr ging. Als ich dem Geräusch schließlich auf den Grund ging, war es auch schon zu spät und ich musste mit bedauern feststellen, dass ein Loch in den Setzkescher gerissen war. Die Hälfte aller Köderfische suchten bis dahin schon das Weite und hatten den Weg in die Freiheit gefunden. Shit happens...
Kommen wir zum Positiven dieser ersten verkorksten Nacht. Nachdem wir gegen 3 Uhr einen halbstarken Waller landen konnten, wurden wir im Morgengrauen mit dem ersten zwei Meter Fisch belohnt, was die vermurkste Nacht wieder etwas gerade rückte.
Ab jetzt konnte es eigentlich nur noch bergauf gehen, die Wolken verzogen sich und das Thermometer blieb gegen Mittag bei knapp 30 Grad stehen, wie es auch die restlichen gut zwei Wochen bleiben sollte.
Jetzt galt für uns erstmal feedern, feedern und nochmals feedern, um den Köderfischvorrat wieder in den grünen Bereich zu bekommen, was sich von Tag zu Tag immer schwieriger gestalten sollte. Dafür bissen die Karpfen munter durch, was uns ein Vorfachbruch nach dem anderen bescherte.
Nun machten wir die Wallerruten für die zweite Nacht scharf, die es in sich haben sollte, ganz frei nach dem Motto "Klasse statt Masse"! Aber von Anfang an. Das Feedern über den Tag hatte uns eine breite Artenvielfalt diverser Köderfische beschert, so dass wir gut variieren und ich unter anderem auf meinen Lieblingsköder, einem "triple", setzen konnte. Dieser Kombination ist für mich immer ein Geheimtipp für richtig große Fische, welcher mir schon einige Granaten an den Haken brachte.
Die Dämmerung brach langsam aber sicher rein und wir machten es uns gerade in den frisch getrockneten Schlafsäcken bequem, als sich meine Black Cat Big Baiter meldete. Kein Riese, aber immerhin mit ca. 1,60m ein guter Quotenfisch...

Ein Drill auf Biegen und Brechen stand uns im Morgengrauen an der Petit Rhône bevor!

Am frühen Morgen wurde ich durch das Bimmeln meiner "Big Bell" geweckt und merkte, dass die Reißleine meines "triples" gekappt war und der Fisch flussab schwamm. Schnell suchte ich den Kontakt, indem ich die lose Schnur einkurbelte, setzte den Anhieb und stellte direkt fest, dass dies ein guter Fisch sein musste. Nachdem ich dreimal meinen Kollegen rief, war er sofort hell wach und wir machten uns mit dem Schlauchboot auf, um schnellstens über den Fisch zu gelangen. Hierdurch minimieren wir das Risiko, dass der Wels sich festsetzen kann und können ihn gegebenenfalls mit dem Boot von Hindernissen fernhalten.
Die Black Cat Big Baiter war krumm wie ein Bogen und bei jeder Flucht sauste die Rutenspitze tief in das Wasser. Der kalte Motor schaltete sich in der Zwischenzeit aus und ich musste ihn immer wieder starten, als der Fisch unaufhaltsam den Uferbereich aufsuchte. Das Problem daran war, dass ich am Vortag genau dort im Uferbereich einige versunkende Bäume mit dem Echolot ausmachte, die der Wels natürlich auch kannte. Das Aufheulen des Motors gefiel dem Wels gar nicht und er setzte zu einer Flucht an, die seines gleichen suchte! Wahnsinn, was da jetzt abging und ich hatte in den letzten Jahren bereits den einen oder anderen 100kg Fisch gefangen! Aber dieser Drill war irgendwie anders!
Mittlerweile befanden wir uns schon gut 2km flussabwärts, ehe ich das erste mal die Chance hatte, den Fisch vom Boden wegzubekommen. Eine halbe Stunde war bereits vergangen und es dauerte nochmals zehn Minuten ehe der Wels sich in seiner vollen Pracht zum ersten Mal neben dem Boot zeigte! Hammer, sag ich euch, was da für den Bruchteil einer Sekunde neben dem Boot lag, ehe er wieder steil nach unten schoss, war einfach der Wahnsinn!
Mir entfläuchte nur mit gestocktem Atem, "Haste das gesehen, der ist ja fast so groß wie das Schlauchboot!" 
Nach ein paar weiteren grandiosen Fluchtversuchen ließen die Kräfte des Kolosses langsam nach und ich konnte ihn über das Vorfach Richtung Boot ziehen, ehe ich beherzt mit zwei Händen in sein Maul Griff. Es blieb allerdings beim Versuch den Fisch ins Boot zu ziehen - no Chance! "Du musst mit reingreifen!" Gesagt getan, so zogen wir den Fisch mittels vier Hände ins Boot... und das Mission Craft war somit voll und ein Teil des Fisches hing noch raus! Wir klatschten uns minestens fünf Mal ab und ließen der Freude freien Lauf.
Nach diesem Erlebnis, war die Nacht für uns vorbei und wir ließen den gesamten Drill am Morgen noch einmal Revue passieren, ehe wir den Fisch kurze Zeit später das Maßband anlegten und es bei sagenhaften 2,51m stehen blieb. Der Wels hatte einen Schädel, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte, obwohl ich bereits einige Fische bis 2,48m überlisten konnte, aber dieser sprichwörtliche Endgegner brachte ein Körpervolumen mit, was seines Gleichen suchte.
Nach kurzer Absprache mit Nils machten wir einen Zeitpunkt aus, wann ich ihm vom Camp abholen konnte, um uns bei der Fotosession zu unterstützen.
Spätestens mit diesem Fisch war sozusagen die ganze Schei... vom Hinweg vergessen und wir konnten entspannt in die verbleibende Zeit durchstarten.

Die Welse bissen munter weiter und wir genossen die Zeit an der Petit Rhône

Die restliche Woche sah wie folgt aus, jede Nacht bekamen wir unsere Bisse und fingen unsere Fische, wovon einige um die zwischen 1,90m und 2m hatten. Es gestaltete sich durch das stark sinkende Wasser allerdings von Tag zu Tag schwerer. Wir unterhielten uns mit anderen Anglern am Wasser, die alle samt teilweise zwei Wochen ohne Biss blieben, deswegen waren wir mit unseren Fischen bis 2,51m mehr als zufrieden, obwohl es bisher mein schlechtester Wochenschnitt an der Petit war.
Für die zweite Woche sagten wir uns, dass wir die Zeit nutzen, um weitere Bereiche im Maritimen Bereich zu testen und verließen somit unseren Erfolgs-Platz, der uns sehr viel Spaß bereitete.
In den zurückliegenden Tagen erkundete ich natürlich schon potenzielle Bereiche für einen Platzwechsel und wir steuerten zielsicher eine neue Ecke an, wo in den vergangenen Jahren immer wieder der eine oder andere gute Fisch gefangen wurde, mittlerweile aber sehr überfischt war. Um an die großen und misstrauischen Fische zu gelangen, versuche ich immer anders an die Sache ran zu gehen, als andere Angler. Daher drehten wir den Spieß um, indem wir dort nicht so angelten wie alle anderen, sondern verankerten uns auf der Seite, wo sonst angebunden wird und fischten ans gegenüberliegende Ufer.
Es war keine 20 Uhr, da hatten wir schon den ersten halbwüchsigen von ca. 1,20m am Haken, der in den Morgenstunden noch durch einen guten Bartelträger getoppt wurde. Weiterhin blieb mir im Hinterkopf, dass dort in den letzten Jahren gute Fische gefangen wurden und mit Sicherheit noch ein Traumfisch sein Unwesen treibt. Also versuchten wir es weitere zwei Nächte dort mit dem selben Ergebnis der ersten Nacht. Da eigentlich überall die anhaltende Beißflaute herumgeisterte, fiel unser Fazit für diese Stelle ganz trocken aus... "Hätte ja klappen können"!

Die letzte Nacht verbrachten wir mit Willi und David an der Petit Rhône

Nichts desto trotz wollten wir in unseren verbleibenden 24 Stunden noch einmal Vollgas geben und fuhren zum Camp zurück, um uns eine Strategie zurechtzulegen. Hier sollte aber alles ganz anders kommen, denn wir kamen mit zwei netten Jungs aus Bayern, David und Willi, näher ins Gespräch, die wir ein paar Tage zuvor kennenlernten. Nach einem kleinen Schwätzchen wurden wir drauf angesprochen, ob wir nicht Lust hätten, den beiden einige Tips und Tricks zu veraten, da sie zum ersten Mal an der Petit waren. Ohne groß zu überlegen, sagte ich ihnen zu, weil ich gerne hilfsbereit bin, sowie meine Erfahrung und mein Wissen, was ich mir über zig Jahre des Wallerangelns angeeignet habe, ohne Probleme weitergebe. Meine einzige Forderung war, dass sie uns dafür kein Geld geben, sondern einfach nur einen netten Abend und ein schönes Foto, mit oder ohne Fisch...
S
o packten wir unser Tackle weg und ehe wir uns versahen, befanden wir uns zu viert in dem Bereich wieder, wo wir die erste Woche so richtig abräumten. Genau die richtige Stelle um etwas vermitteln und zeigen zu können, obwohl uns nur wenig Zeit blieb, welche wir aber sinnvoll nutzen wollten. So knüpften wir erstmal zusammen Vorfächer, bauten die Montagen um und fuhren anschließend gemeinsam mit dem Schlauchboot samt Echolot, erfolgsversprechende Uferbereiche ab. Die Dämmerung war bereits Eingebrochen, als wir die Montagen legten und so wurden wir erst in der Dunkelheit fertig. Unsere Boote waren aneinandergebunden und verankert, so dass wir uns noch einige lustige Geschichten erzählten, ehe uns die Müdigkeit der letzten Wochen einholte. Leider wurden wir im Morgengrauen wach, ohne einen einzigen Biss verzeichnet zu haben, was aber der positiven Freude über unsere gemeinsamen Stunden keinesfalls beeinträchtigte. Wir tauschten zu guter Letzt noch Kontaktdaten aus, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Im Hinterkopf blieben unvergessliche zwei Wochen mit einigen guten Welsen und einen Giganten, den man nur ganz selten an den Haken bekommt. 


Schleimige Grüße wünscht euch
Ruwen Koring

(Wallerteam Catfish-Hunters & Team Black Cat)


Ein kleiner Bilderauszug der Tour: