Mission Complete

Die erste Nacht an der Petit Rhône bescherte uns gleich sechs Welse!

Nach 15stündiger Fahrt kamen meine Freundin Corinna, Frank (damaliger Teamkollege, bis 2013 bei den Catfish-Hunters) und ich völlig übermüdet bei meinem alten Freund Nils im Wallercamp an. Es herrschte weit und breit strahlender Sonnenschein, kein Wölkchen war am Himmel und die Temperatur war morgens schon im grünen Bereich, so dass uns im T-Shirt zu heiß wurde. Wir sollten nicht ahnen, was später alles noch alles auf uns zukommen sollte!
Nach einem kleinen Plausch mit Nils und seinen Worten zu dem aktuellen Beißverhalten, „beschissen ist noch geprahlt…“, slippten wir mein 19er California Skiff und machten es startklar.
Da ich nicht zum ersten Mal an der Petit Rhône bin, weiß ich, dass es auf der einen Seite manchmal schwer ist Fische zu überlisten, auf der anderen Seite sind mit der richtigen Strategie allerdings jederzeit Traumfänge möglich.
Der Weg führte uns über den Fluss schließlich zu einem Bereich, den ich sehr gut kannte und wo ich mir ganz einfach sicher war, dass wir hier auch bei diesen Bedingungen Erfolg haben werden. Eine Intuition sagte mir, dass die Bisse zwischen drei und vier Metern Wassertiefe kommen werden und so präsentierten wir ein Hauptteil der Köder genau in diesem Tiefenbereich.
Die Dämmerung brach herein und unsere Blicke waren starr auf die ausgelegten Wallerruten gerichtet! Es war nicht einmal komplett dunkel, da löste die erste Rute auch schon aus! Geil dachten wir, zwar kein Riese, aber immerhin ein Fisch, obwohl wir gerade erst ankamen. So verlief die Nacht weiter, bis wir am nächsten Morgen auf sechs Welse kamen. Jeder Wels biss übrigens an die Montagen, welche wir knapp unter vier Metern Wassertiefe setzten. Coole Beißflaute dachten wir uns, wenn das so weitergeht, werden wir noch eine Menge Spaß haben! Und es ging so weiter, die Welse bissen munter und es hakten sich immer wieder Fische der Zwei-Plus-Marke.

Das Beißverhalten ging munter weiter und es folgten schlaflose Nächte an der Petit Rhône!

Nach den kraftraubenden ersten zwei Angelnächten, sowie der anstrengenden Anfahrt, entspannten wir uns jetzt erst einmal über den Tag. Am frühen Abend kontrollierten wir die Wallerruten und bereiteten uns auf die wohl nächsten schlaflosen Stunden vor. Die Dunkelheit war gerade eingebrochen, da sahen wir eine Sternschnuppe durch den Himmel fliegen. Angefangen von der Rute, quer über das Boot und begleitet von einem schönen Bimmeln! Der Biss war so krass, dass das Glöckchen von der Rutenspitze im hohen Bogen wegflog!
Frank nahm sofort Kontakt auf, setzte den Anhieb und ab ging es in das Schlauchboot, wo uns sofort klar wurde, dass es sich nicht um einen normalen Zwei-Meter-Fisch handelt. Ein spannender Drill lief ab und immer wieder setzte es eine grandiose Flucht nach der anderen, bis der Wels erstmals am Schlauchboot auftauchte. Ein vollgefressener Fisch, mit einem enormen Körperumfang kam zum Vorschein! Schließlich bekam ich das Vorfach zu greifen und konnte den Wels per Wallergriff sicher ins Schlauchboot ziehen! 90kg lag zwischen uns im Boot, echt ein super Fisch!
Die weitere Nacht verlief wie gewohnt und wir konnten mehr als zufrieden sein, was wir in den ersten Tagen auf die Matte legen konnten. Die erste Woche sollte aber noch ein weiteres Highlight für uns parat haben.

Die erste Woche an der Petit Rhône bescherte uns einen Wels von 100 Kg!

Tag fünf neigte sich langsam dem Ende entgegen, als ich gegen 22 Uhr einen Biss bekam, der nicht einmal die Reißleine sprengte. „Ohhh, nein…“ schoss es mir durch den Kopf, „Nicht so ein kleiner, der uns jetzt eventuell die heiße Phase an der Rute kaputt macht!“ Ca. zwei Minuten schaute ich mir das Elend an, bis ich die Reißleine vom großen Boot aus selbst mit einem kurzen Anhieb sprengte, ohne dabei ins Schlauchboot zu steigen. Der Wels ließ sich wie erwartet sehr leicht rankurbeln, so dass ich mit meinen Gedanken schon ganz woanders war, als plötzlich ein irrer Schlag durch die Black Cat Big Baiter fuhr! Beinahe wäre ich dabei über Bord gegangen! Wahnsinn, was war das? Und die nächste Flucht knallte durch die Rute! „Frank, wir müssen doch ins Schlauchboot!“ rief ich und ehe wir uns versahen, waren wir über dem Fisch!
Die Black Cat Big Baiter war zum Halbkreis gebogen, ohne dass ich den Wels auch nur ansatzweise vom Boden hoch bekam! Einfach nur Wahnsinn!
Die Minuten verstrichen, ehe der Gegner das Schlauchboot Richtung Uferbereich zog dirigierte, wo sich versunkene Bäume befanden. Die kannte ich allerdings auch und so half uns nur noch eins - den Wels mit dem Motor im Rückwärtsgang wegnavigieren! Gesagt, getan... und so waren wir wieder in der Ausgangssituation, mit dem Unterschied, dass die Kräfte des Riesen almählich nachließen und ich ihn in Richtung Oberfläche pumpen konnte. „Jede Sekunde müsste er doch zu sehen sein…“, aber es folgte die nächste rasante Flucht, bei der die Schwanzflosse das Wasser durchbrach und auf die Oberfläche klatschte! Allerdings ohne, dass wir auch nur ansatzweise einen Körper sehen konnten!
Mittlerweile war ich genauso ausgepowert wie der Wels, der sich endlich zeigte! „Was ein Geschoss“, raste es mir durch den Kopf. Das Vorfach war für Frank in Reichweite, so dass er darüber den Fisch zu sich führen und ihn anschließend per Wallergriff sichern konnte. Frank, ein Typ wie ein Baum mit seiner Bulligen Statur, brauchte drei Versuche um den Wels über die Bordwand zu hieven. Welch ein Urviech, dass die 100kg Schallmauer durchbrach! Mit einem Hand-Shake schlugen wir uns ab, wie bei jedem guten Fisch!
Die erste Woche beendeten wir mit jeder Menge schweißtreibenden Drills, wo einige richtig gute Ausnahmefische dabei waren.

Dauerregen in Woche zwei, mit einem Traumfisch in weiß zum Abschluss! 

Auf ging es also in die zweite Woche, in der sich das Wetter schlagartig zum negativen änderte! Es fing wie aus dem Nichts an zu schütten, was den Pegel schlagartig um mehrere Meter ansteigen ließ. Ein solches Hochwasser, wie es nun herrschte, habe ich an der Petit Rhône noch nie erlebt. Treibholz bis hin zu riesigen Bäumen rasten den Fluss ohne Rücksicht auf Verluste hinunter. Das Fischen wurde von Stunde zu Stunde schwieriger, denn mittlerweile war auch im Uferbereich eine heftige Strömung, dass wir die Ausleger in Überschwemmungsgebiete umbinden mussten. Nicht das es nur Regen war – Nein, ein Gewitter jagte das nächste und dieses Sauwetter blieb uns die komplette Woche erhalten!
Wir hatten weder Zelt oder Schrim, noch einen anderen Wetterschutz dabei. Deswegen knoteten wir zwei Abhakmatten an die Bäume, um sich wenigstens zwischendurch mal trocknen zu können. Das Positive dabei war, dass wir auch während diesen harten Umständen weiterhin Fische fingen, obwohl es alles andere als einfach war.
Am letzten Abend wurde der Regen plötzlich abgestellt und wir machten die Wallerruten ein letztes Mal startklar. Während des Anbindens meldete sich auch schon die erste Rute, wir merken direkt, dass es kein großer Fisch war. Als dieser allerdings das erste Mal die Oberfläche durchbrach, trauten wir unseren Augen kaum! Ein Albino von ca. 1,30m kam zum Vorschein! Das kuriose an Sache war, dass ich genau neun Monate zuvor bereits einen Albino von über 2m Länge fangen konnte. 
Mit diesem Fisch beendeten wir die Tour ein Tag eher als geplant. Nach diesen krassen zwei Wochen entschlossen wir uns kurzfristig, die Tour mit unserem Freund Nils bei einem gemeinsamen Grillabend ausklingen und dabei diese wunderbare Zeit nochmals Revue passieren zu lassen.

Schleimige Grüße wünscht euch
Ruwen Koring

(Wallerteam Catfish-Hunters & Team Black Cat)


Ein kleiner Bilderauszug der Tour: