Po Tour, die Zweite

Eine Woche Sommerfeeling in Italien am Po!

Brennende Hitze, Mückenplage, stark sinkendes Wasser und Köderfischmangel sollten uns bei unserer zweiten Po Tour des Jahres begleiten. Teamkollege Ralf Jasinski, Frank (damaliger Teamkollege, bis 2013 bei den Catfish-Hunters) und ich hatten allerdings nur fünf Nächte zur Verfügung. Dies sollte uns nicht davon abhalten einige Bartelträger auf die Matte zu legen und mit völlig verschleimter Kleidung heimzufahren.
Nachdem wir im Camp ankamen, lief alles nicht so rund, wie wir es vorher geplant hatten. Somit wurde mein California Skiff erst am Nachmittag in das Wasser gekrant und bis wir mit den Vorbereitungen fertig waren, war die Uhrzeit schon weit fortgeschritten. Trotzdem wollten wir unbedingt noch durchstarten und machten uns völlig übermüdet stromauf. Das Ziel war eine Sandbank, die nicht allzuweit entfernt war und wir kurzerhand unser Nachtlager aufstellten. Allerdings kamen wir ohne gestellte Wallerfallen einfach nicht wirklich zur Ruhe und so legten wir provisorisch ein paar Ruten aus. Dies war mehr oder weniger nur, um das Gewissen zu beruhigen. 
Kaum war die letzte Rute ausgelegt, sackten wir auf unsere Liegen zusammen und schliefen relativ schnell ein. Nach einer erholsamen Nacht, musste ich am Morgen feststellen, dass eine meiner Schnüre schlaff war und ich einen Biss ganz einfach verpennt hatte, wie es sich nach der Kontrolle am Köderfisch feststellen ließ. Jetzt konnte es allerdings richtig losgehen und schnell war ein aussichtsreicher Platz gefunden, an dem ich alles versuchte zu beherzigen, was mir Benjamin Gründer drei Wochen zuvor zeigte, um an diesem Fluss zu bestehen! Ohne Frage ist der Po wohl das schwierigste Gewässer Europas!

Am zweiten Tag konnte unsere Po-Tour richtig losgehen und das tat sie!

Als erstes stand die Köderfischbeschaffung auf dem Plan und daher begannen wir als erstes mit dem Feederfischen, um ein paar Weißfische für die bevorstehende Nacht zu fangen. Dies gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht und wir mussten uns jeden Fisch hart erkämpfen. Zudem brannte die Sonne unaufhaltsam und mit voller Kraft auf uns nieder, wobei die Temperaturen mit Sicherheit die 50°C Marke durchbrachen. Um einen Sonnenstich zu entgehen, gönnten wir uns in regelmäßigen Zeitabständen eine Erfrischung, indem wir uns stündlich ins Wasser legten. Kaum begaben wir uns aus dem "kühlen" Nass, welches 25°C aufwies, wieder auf die Sandbank, schon waren wir ruckzuck trocken, als ob wir nie im Wasser gewesen wären.
Gegen Abend machte sich unsere Hartnäckigkeit bezahlt und wir hatten ein paar Brassen zusammen, so dass wir die ersten U-Posenmontagen auslegen konnten. Es dauerte nicht lange, bis die erste Wallerrute, in Form der Black Cat Big Baiter, sich krümmte. Sofort setzte ich den Anhieb und sprang ins Schlauchboot! Nach kurzem Drill lag der erste Wels im Boot und es sollte nicht der Letzte sein. Schnell war die Wallerrute erneut startklar, so dass wir den Köder wieder an den Erfolgsplatz ausgelegten. Anschließend ging es auf die Liege, wo wir den ersten Tag Revue passieren ließen, bis wir irgendwann einschliefen.
Im Laufe der Nacht wurden wir durch das Bimmeln eines Glöckchen aus dem verdienten Schlaf gerissen. Diesmal war es Ralf's Rute, die sich krümmte. Er war so heiß, dass es kurzzeitig so aussah, als wenn er mit Schlafsack versucht hätte aufzuspringen um den Anhieb zu setzen. Rechtzeitig fand er wohl den Reißverschluss und griff die Rute, während ich das Schlauchboot bereit machte für den bevorstehenden Drill. Das sollte allerdings der letzte Biss der Nacht bleiben.
Zufrieden mit der ersten "richtigen" Angelnacht wurden wir morgens von der brennenden Sonne geweckt und wir begannen wie gewohnt über den Tag mit dem Feederfischen, bis wir Abends die Ruten kontrollierten und neu setzten. Kurz zuvor konnte ich einen ordentlichen Rapfen überlisten, der mein persönlicher Joker war und daher köderte ich ihn umgehend an die Wallermontage.

Im Halbschlaf sah ich meine Rute samt Halter Richtung über die Sandbank fliegen!

Die kommende Nacht sollte noch eine Überraschung für uns parat haben, nachdem uns die Mückenplage in den Schlaf gequält hatte. Zwischenzeitlich wurde ich wach, zwei Uhr morgens und kein Biss?! Hmmmm... Kurios, da wir fest mit Fisch gerechnet hatten. Selbst der Rapfen brachte bisher kein Biss, was eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit war. Schnell schlief ich weiter, bis ich von einem lauten "Bimmeln" geweckt wurde! Ich riss die Augen auf und sah meinen eigentlich fest verankerten Rutenhalter inklusive meiner Wallerrute Richtung Wasser über den Sand hoppeln! Ohne nachzudenken sprang ich aus meinem Schlafsack, rannte hinterher und konnte sie kurz vor der Wasserlinie greifen! Ralf stieg direkt mit mir ins Schlauchboot und wir setzten uns über den Fisch. Zur Information, es war die Rute mit dem Rapfen, der mich doch nicht im Stich ließ! Nach einem spannenden Drill konnten wir einen guten Fisch von 2m auf der Habenseite verbuchen und fuhren wieder Richtung Ufer.
Frank erwartete uns bereits am Ufer. Auf dem zweiten Blick sah ich, wie er meine andere Rute in der Hand hielt und auch schon zu uns rüber rief, "Hier, kannste gleich weiter machen, da hängt einer dran"! Wir tauschten Fisch gegen Rute. Frank kümmerte sich um den gelandeten Waller, während ich den nächsten Drill begann. Etwas kleiner als der vorige, aber ein schöner Fisch erwartete uns. Mit einem breitem grinsen und Waller fuhren wir zum Ufer, wo Frank diesmal leider nicht mit meiner dritten Rute stand...
Wir versorgten den Wels und wollten uns unserer wohlverdienten Zigarette widmen, als Franks Rute, an der er eine Barbe anbot, sich krümmte. Sofort sprang er ins Boot, welches vom davorigem Drill noch bereit lag und zusammen fuhren wir dem Fisch entgegen. Nach einigen schönen Fluchten konnte ich zum Wallergriff ansetzen und nun hatte auch Frank seinen ersten Fisch.

Trotz Mittagshitze bissen die Welse teilweise auch tagsüber!

Wir legten uns nicht mehr hin, sondern versuchten direkt ein paar Brassen zu überlisten, da es zu dieser Zeit wirklich extrem schwierig war. Mittags 14 Uhr, die Sonne brannte unaufhörlich vom Himmel nieder, als aus dem Nichts Ralfs Rute sich zu ein Flitzebogen krümmte. Nachdem wir uns ungläubig anschauten, kamen wir sehr schnell wieder zur Besinnung und Ralf setzte den Anhieb.
Ein komischer Drill begann! Wir rechneten mit einem Zwei-Meter-Fisch, da die Black Cat Big Baiter sich extrem Bog und der Fisch kaum vom Boden weg zu bekommen war. Nach ungefähr zehn Minuten, hatte ich eine Eingebung und sagte zu Ralf, nicht das die Reißleine gehalten hat und neben dem Fisch noch der Stein dran hing... So sollte es auch sein, kurz darauf kam mir der Stein entgegen, welchen ich sofort abriss und Ralf normal weiter drillen konnte. Das Spektakel fand schnell sein Ende, denn der 1,70 m lange Waller war schon ausgepowert!
Der Ärger verging schnell, dass es doch ein kleinerer Fisch war, als anfangs durch den Stein vermutet und die Freude über einen weiteren Wels überwiegte.
Mittlerweile war das Wasser seit unserer Ankunft stark gesunken und das Angeln gestaltete sich immer schwieriger. Franks Gebete sollten uns für die verbleibenen zwei Nächte allerdings Glück bringen, als er sich vor die Wallerruten niederkniete und den Angelgott beschwörte. Vielleicht war ihm auch nur die Hitze zu Kopf gestiegen... Das Wichtigste war, dass wir jede Menge Spaß auf der Tour hatten und selten soviel gelacht haben, wie in den vergangenen Tagen. Wir versuchten für die letzten zwei Nächte noch einmal alles und wurden letztendlich mit weiteren Bartelträgern belohnt.
Die Woche neigte sich leider viel zu dem Ende entgegen und mit Wehmut fuhren wir schließlich Richtung Camp, wo wir die vergangenen Tage nochmals an uns vorbeiziehen ließen. Trotz der sommerlichen Bedingungen mir brennender Hitze, warmen und stark sinkendem Wasser, konnten wir einige Bartelträger überlisten. Mit dem Ergebnis waren wir hochzufrieden und traten letztendlich schweren Herzens den Heimweg an.

Schleimige Grüße wünscht euch
Ruwen Koring

(Wallerteam Catfish-Hunters & Team Black Cat)


Ein kleiner Bilderauszug der Tour: