Spinnfischen mit UV-Ködern

Was sind UV-aktive Köder und wann werden sie eingesetzt?

Bei unserem letzten Versuch den einen oder anderen Stachelritter zu überlisten, habe ich mich mit meinem Teamkollegen Timo Waschitzki über den Sinn und Hintergrund von UV-aktiven Kunstködern unterhalten. Die Auswahl solcher Köder wird immer umfangreicher, in Zeitschriften sowie im Internet tauchen immer wieder Fragen zu diesem Thema auf und viele Angler verstehen nicht den Sinn der UV-Köder bzw. dessen Verhalten unter Wasser. Daher fasse ich den Hintergrund der tollen und vor allem fängigen UV-aktiven Kunstköder einmal zusammen und versuche euch zu erläutern, was es damit auf sich hat.

Die Farben der UV-aktiven Köder wirken auf die Raubfische anders, als auf uns Menschen!

Damit das Verhalten der UV-aktiven Köder verständlicher wird, sollte man zuerst einmal wissen, warum die Farben eines solchen Kunstköders unter Wasser für die Fische oftmals ganz anders aussehen, als wir es mit dem menschlichen Auge über Wasser wahrnehmen. Unser Auge kann Farben mit einer Wellenlänge von 400 bis zu 700 Nanometern wahrnehmen, was Farben von Dunkelrot bis hin zu Violett sind. Im Grunde genommen ist die Wahrnehmung einer Farbe nur eine Reflektion einer Wellenlänge, denn alle anderen Wellenlängen werden auf diesem Körper absorbiert und sind somit völlig unsichtbar. UV-Licht ist für uns nicht sichtbar, sorgt aber dennoch dafür, dass fluoreszierende Farben in ihren wirklichen Farben dargestellt werden. Je kürzer die Wellenlänge einer Farbe ist, desto tiefer bzw. weiter kann sie in das Wassers eindringen. Somit bedeutet es, dass aufgrund der Wellenlänge zum Beispiel ein normaler roter Kunstköder schon in flachen Bereichen oder in kurzer Entfernung seine Farbe komplett verlieren kann. Bei Ultra-Violetten Licht haben die Lichtwellen aufgrund ihrer Kürze besonders viel Energie, wodurch es diese Lichtwellen ohne Behinderung am Weitesten in die Tiefe bzw. auf eine große Distanz durch das Wasser schaffen.
Ein weitere Faktor der Eindringtiefe einer Wellenlänge des Lichtes ist, dass unsere Gewässer nicht aus destilliertem Wasser bestehen, sondern viele Partikel beinhalten, die wiederum für das Filtern des eindringenden Lichtes verantwortlich sind. Während einige wenige Farben des natürlichen Lichtspektrums durch diese Partikel absorbiert werden, kommen andere Farbtöne dabei besonders gut zur Geltung.
In einem See mit einer grünlichen Wasserfarbe würde beispielsweise ein grüner Köder besonders gut auffallen, während gelbe und rote Köder gerade noch zu sehen sein würden. Die Wassertrübung ist wegen ihrer Filterwirkung für alle normalen Farben ein Hindernis, bei der UV-aktive Köder Abhilfe schaffen. Vor einiger Zeit wurde von Biologen bestätigt, dass die Augen der Fische den Menschenaugen sehr ähnlich sind und auch ein sehr gutes Farbsehvermögen besitzen. Flachwasserfische haben beispielsweise die Gabe sehr gut Farben zu erkennen, während Fischarten, die hauptsächlich in tieferen und trüberen Gewässern leben, etwas eingeschränkter sind. Ein Zander besitzt sein Sehvermögen eher im grünen bis gelben Bereich und reagiert dennoch sehr gut auf fluoreszierende Farben. Aufgrund dessen ist es sehr erfolgsversprechend, in tieferen Gewässern und bei trüben Wasserverhältnissen sowie in der Dämmerung auf UV-aktive Köder zurückzugreifen, da die Fische aufgrund ihres Sehvermögens diese Farben hier am besten wahrnehmen können.

Wie erkenne ich UV-aktive Köder?

Um die UV Wirkung eines Kunstköders festzustellen und sie von nicht UV-aktiven Ködern unterscheiden zu können, greife ich auf eine herkömmliche UV-Lampe zurück, die auch als Schwarzlichtlampe bekannt ist. Diese speziellen Lampen gibt es im kleinen Taschenlampen-Format schon für wenig Geld im Elektrohandel und sie passt in jede Tackletasche, Hosentasche oder Jackentasche der Angelbekleidung. Ich kann jedem nur empfehlen, sich eine solche Lampe zuzulegen und einfach mal in seine Köderbox zu leuchten. Ich bin mir sicher, der eine oder andere wird sich vermutlich erschrecken und sehen, dass seine Kunstköder plötzlich in ganz neuen Farben strahlen.
Ein gutes Beispiel ist hierfür die Farbe Motoroil, die unter vielen Spinnfischern sehr bekannt und beliebt ist. Viele Raubfischangler fischen solche Farben, weil sie denken, dass es gedeckte Farbtöne sind, die allerdings unter UV Licht betrachtet wahre UV Bomben sind und wirken plötzlich wie ein neonleuchtender Kunstköder. Das Phänomen erklärt, warum mit einen Dekor bei bestimmten Wasserverhältnissen mehr Fische überlistet werden können, als es mit einer anderen Farbgebung der Fall ist.
Nicht nur Gummiköder haben eine UV-aktive Wirkung, sondern auch viele Wobbler, Spinner oder Blinker sind mit UV Lacken versehen. Es geistert zwar immer durch die Medien, dass UV-aktive Köder nahezu neu auf dem Markt sind, was allerdings nicht ganz richtig ist. Betrachtet ihr ältere Ködermodelle unter dem UV Licht, werdet ihr teilweise feststellen, dass auch diese Kunstköder teilweise mit UV Lacken bearbeitet wurden und oftmals die Beißreflexstellen mit dieser Art von Farben lackiert wurden. Es macht also durchaus Sinn seine Kunstköder einmal mit einer UV-Lampe zu kontrollieren, um zu sehen, wie Zander, Barsche und Hechte diese Farben wirklich wahrnehmen.
Bei einigen Baits lassen sich die UV Farben allerdings schon erahnen, ohne dass sie angeleuchtet werden, denn schaut man sich mal Köder in Farben, wie beispielsweise Chartreuse sowie Firetiger und sämtliche Fluo-Farben, an, dann kann man sich schon vorstellen, wie sie unter Schwarzlicht zur Wirkung kommen werden.

Wann setze ich UV-aktive Köder beim Spinnfischen ein?

Umso klarer das Wasser ist und umso größer die Lichteinstrahlung in das Wasser fällt, desto dunkler bzw. gedeckter sollten die Köderfarben ausfallen. Allerdings gibt es hierbei auch wieder eine Ausnahme, denn der Hecht zum Beispiel steht erfahrungsgemäß auch im klaren Wasser auf sogenannte Schock- und Fluofarben, so dass es beim gezielten Hechtangeln in klarem Wasser oftmals ein Versuch wert ist, auf UV Köder zu setzen.
Beim gezielten Spinnfischen auf Stachelritter, wie Barsch und Zander, macht es bei klaren Wasserverhältnissen im Flachwasser Sinn, auf natürliche Dekore der Kunstköder zurückzugreifen. Umso tiefer die Kunstköder angeboten werden und je weniger Licht in das Wasser einfällt, was auch, wie zuvor schon geschildert, durch die Trübung des Wassers beeinträchtigt werden kann, desto enger wird die Farbauswahl. Gerade hier ist es sinnvoll, UV-aktive Köder zurück verwenden, die ebenfalls in der Dämmerung sowie bei Nacht fast immer eine Bank sind und den gewünschten Fangerfolg bringen.
Alles in allem sind UV Köder sehr gut, wenn sie unter den richtigen Voraussetzungen bzw. Wasser- und Lichtverhältnissen eingesetzt werden. Andernfalls kann es passieren, dass ein Barsch oder Zander aufgrund der Farbe eher vom Köder verschreckt wird, als diesen zu attackieren.


Ich hoffe ihr konntet hilfreiche Informationen aus meinem Bericht für eure künftigen Angeltouren mitnehmen. Ich wünsche euch viel Erfolg am Wasser und stramme Angelschnüre!
 

Stachelige Grüße wünscht euch
André Krafthöfer
(Raubfischteam Catfish-Hunters)


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