Waller-Welt - Der ganz normale Wahnsinn!

Die Waller-Welt ist wie eine zweite Heimat geworden, in der wir für die folgenden 2 Wochen unser Lager aufschlugen!

Die Waller-Welt von Markus Eule ist für uns mittlerweile eine Art zweite Heimat geworden. Dies hat nicht etwa den Grund, dass wir zu oft vor Ort wären, was aus Zeitgründen leider auch nicht möglich ist, sondern es herrscht eine Atmosphäre im Camp, die einem im Glauben lässt, zu Hause zu sein. Zudem haben wir in Markus und Jan Freunde gefunden, mit denen es immer Spaß macht zu plauschen und die sich sofort um eventuelle Probleme kümmern, die am Wasser auftreten können.
Wobei wir auch schon beim Thema und der zurückliegenden Tour sind. Nach 14 Stunden Fahrt, sowie Übermüdung pur, wollten meine Freundin und ich natürlich direkt mit dem Boot durchstarten. Doch wie im Oktober bereitete uns der Wasserabscheider Probleme. Völlig verformt mit gerissenem Dichtungsring zog dieser Luft, so dass der Motor kurz nach dem Start immer wieder aus ging. Jan fuhr sofort mit uns in die Bootswerkstatt, welche nur wenige Minuten von der Waller-Welt entfernt liegt, um das Problem zu lösen. Der Mechaniker versuchte sein bestes, aber beim erneuten Startversuch scheiterten wir wieder und mussten feststellen, dass der Wasserabscheider irreparabel  ist. Nach kurzer Überlegung stellte Jan die Halle der Waller-Welt auf den Kopf und zauberte einen fast neuen Wasserabscheider hervor, den er schnurstracks in mein Boot einbaute. Der Motor sprang sofort an und lief rundum perfekt. Jan's letzte Worte, bevor wir uns auf den Weg machten, waren: "Kannste behalten, passt schon! Haut was dickes raus!"

Der "ganz normale Wahnsinn" nahm seinen Lauf und eine Grippe setze mich außer Gefecht!

Wir peilten einen Spot an, wo wir in der Vergangenheit bereits gute Fische überlisten konnten. Während der Fahrt merkte ich allerdings die ersten Anzeichen für eine aufkommende Grippe. Am Platz angekommen bekam ich Kreislaufprobleme, mit allem was dazu gehört und ein optimales Fischen war unmöglich. An den folgenden vier Tagen konnte ich im Fieberwahn nur das nötigste unternehmen, wobei wir trotzdem den einen oder anderen Wels auf die Matte legen konnten.
Mittlerweile war Teamkollege Jens Reitler mit einem Kollegen angereist. Die beiden versuchten ebenfalls ihr Glück und wir versuchten in der Folgezeit in relativ nahem Abstand, von ca. 1km Entfernung, zu Fischen, um uns gegebenenfalls in diversen Dingen unterstützen zu können. 
Als es mir endlich besser ging, setzte einen Tag lang Starkregen ein, der einen schnellen Wasseranstieg zur Folge hatte. Auf der einen Seite hatte ich die Gedanken im Hinterkopf, einen Rückfall in Sachen Grippe zu erleiden, auf der anderen Seite mussten wir Vollgas geben, da in der folgenden Nacht die Chancen auf einen Ausnahmefisch optimal stehen würden.
Eigentlich sollte in einer solchen Situation ein Überschwemmungsgebiet aufgesucht werden, aber ich hatte andere Pläne. War es eine Intuition oder einfach nur eine "Wahnsinns Idee"? Keine Ahnung. Wir machten uns an einem stark abfallenden Naturufer fest, an dem eine krasse Strömung herrschte und das Treibgut nur so vorbei raste. Beim Ruten setzen mit meiner Freundin merkten wir, dass der Strömungsdruck wirklich enorm war und ich mich vielleicht verzettelt haben könnte. "Nützt nichts, da müssen wir jetzt durch! Vielleicht war es doch ein Fehler, der uns eine Nacht mit perfekten Bedingungen kosten würde!", schoss es mir durch den Kopf. Wir gingen volles Risiko und der Abend wurde mit einem Kaffee eingeläutet. Es war 19.30 Uhr, als aus dem Nichts die 280er Black Cat Freestyle langsam nach unten gezogen wurde, welche wir in ca. 150m Entfernung durch mehrere Bäume umgelenkt hatten.
  

Es war die richtige Entscheidung und ein Drill auf Biegen und Brechen beginnt!

Corinna sprang direkt ins Schlauchboot, wobei die meiner Meinung nach geilste Wallerrute mittlerweile  bis zum Griff krumm war. Ich musste die verkeilte Rute regelrecht aus dem Halter hebeln und als ich sie gerade komplett in der Hand hielt, ging ich fast über Bord, als der Fisch zu einer brachialen Flucht ansetzte.
Schnell versuchten wir über den Wels zu gelangen, um direkten Kontakt zum Fisch zu bekommen, so dass er sich nicht im Unterwasserholz festsetzen konnte. 
Es entpuppte sich zu einem harten Drill, mitten in der reißenden Strömung des Hochwassers und ehe wir uns versahen, hatte der Fisch bereits eine große Strecke mit uns zurück gelegt. Die "kleine" Freestyle war bis zum Griff krumm und Corinna sagte, "Nicht, das die Rute gleich bricht!" Meine Antwort darauf, "Das ist eine Black Cat Rute, da passiert nichts!"
Endlich gelang es uns, den Wels vom Boden zu lösen und langsam aber sicher Richtung Oberfläche zu dirigieren. Aufgrund der enormen Wassertrübung, die das Hochwasser mit sich brachte, war es schwer, die Größe des Welses überhaupt abschätzen zu können, als er gelegentlich das Wasser durchbrach.
Mittlerweile war der Wirbel des Vorfaches fast ausschließlich sichtbar und der Drill neigte sich dem Ende. Ich zog mir die Landehandschuhe an und griff zum Vorfach, um langsam das Welsmaul erreichen zu können, bis ich schließlich beherzt zum Wallergriff ansetzen konnte. 
Jetzt noch eine kurze Kraftanstrengung und der Koloss lag im 3,20er Mission Craft Schlauchboot.
Wie auch alle anderen Fische zuvor, war dieser aufgrund der zurückliegenden Hochwasserperioden, die meistens einen Fressrausch der Welse bedeuten, überdurchschnittlich fett. Durch diese Masse besitzen sie natürlich noch viel mehr Power und die Drills, gerade mit großen Fischen, sind brachial.
Da der Fisch nicht wirklich in das Schlauchboot passte, konnten wir erst am nächsten Tag den Wels messen. Das Maßband blieb letztendlich bei 2,48m stehen und das Gewicht lag schätzungsweise bei ca. 110kg. Wir verzichten in der Regel auf das Wiegen der Fische, um sie nicht unnötig lange ihrem Element zu entnehmen und ihnen dadurch gegebenenfalls einen Schaden zuzufügen. Aufgrund jahrelanger Erfahrungen, mit vielen großen Fischen, können wir das Gewicht ziemlich genau abschätzen.

Drilling im Finger und Ast im Auge! Jetzt kam der "ganz normale Wahnsinn" erst richtig auf Hochtouren und es wurde kurios!  

Die nächsten Tage bekamen wir sommerliche Temperaturen und das Wasser sank rapide, was das Beißverhalten beeinträchtigte. Trotzdem fingen wir in regelmäßigen Abständen weiterhin unsere Fische.
Eines Nachmittages bemerkte ich bei der Ruten Kontrolle, dass sich ein Vorfach am Ufer in einem Unterwasserast verfangen hatte. Den Wirbel konnte ich greifen und so zog ich, bis ich die Unterwasserpose im trüben Wasser erkennen konnte. Ich wollte sie greifen und merkte nicht, das sich die Haken um die Unterwasserpose gedreht haben. Es war auch schon zu spät, der Ast gab nach, zog nach unten und katapultierte den Drilling direkt bis auf den Knochen in meinen Finger. Mein Arm hing unter Wasser und die Schmerzen wurden riesig. Ich konnte den Haken nicht lösen, so dass ich mit der zweiten Hand versuchte den Ast zu erreichen und ihn irgendwie abzubrechen. Ich sage euch, das war der zweite Fehler innerhalb kürzester Zeit, denn plötzlich hatte ich den Einzelhaken in der anderen Hand und ich hing munter mit beiden Armen im Wasser fest. Nach einigen Minuten und versuchen irgendeinen Haken rauszureißen, löste sich der Einzelhaken und ich konnte kurz danach den Ast unter Wasser abbrechen. Schnell fuhr ich zu Jens, der nur unweit entfernt saß und rief rüber "Bring mal Zange und Messer!". Corinna hatte mittlerweile Kreislaufprobleme und mir wurde auch schon etwas schwummerig. Ich habe dazu übrigens kein Foto gemacht, da der Haken den Knochen touchierte und ich das Ding einfach nur raushaben wollte. Jetzt blieben mir zwei Möglichkeiten, erstens Krankenhaus und zweitens selbst operieren. Ich entschied mich für die zweite Variante und schnitt mir langsam den Haken raus. Nach endlosen Minuten konnte ich mit der Zange den Haken inklusive Wiederhaken soweit nach vorne ziehen, dass ich sah, wie ein weißes Band hinter dem Wiederhaken hing. Ohne groß nachzudenken biss ich mir auf die Zähne und schnitt auch dieses durch. Endlich konnte ich den Haken komplett entfernen und das Blut floss über meine ganze Hand. Jens schnappte mich und fuhr mit mir ins Camp, wo ich mich mit dem erste Hilfe Kasten meines Autos versorgte und wir die restlichen Zeit jeden Tag einen neuen Verband anlegten. Ich kann jedem nur sagen, kappt in einer solchen Situation lieber die Schnur, denn das hätte auch ins Auge gehen können. Apropos Auge...
Vier Tage vor Tourende holte ich Timo vom Bahnhof, denn er wollte die restliche Zeit mit uns nochmal voll durchstarten. Guter Dinge zogen wir los und bei der Aktion in einem sehr flachen, sowie sumpfigen Bereich das Boot zu befestigen, balancierte Timo über einen umgefallenen Baum. Während er Äste abbrach, um sie als Brücke auf den Schlamm zu legen, versuchte ich mich mit dem Schlauchboot zu ihm vor zu angeln. Eine kleine Unachtsamkeit von uns beiden und der Ast schnellte von Timo zurück. Ich griff mir sofort ins Gesicht, als ich bemerkte, dass noch ein Stück Ast in meinem Auge steckte, welchen ich umgehend und reflexartig rauszog. Zum Glück ging er neben dem Augapfel in die Augenhöhle, sonst wäre die Tour wohl beendet gewesen.
Irgendwie steckte der Wurm drin, aber trotz aller Komplikationen konnten wir immer wieder schöne Fische landen.

Alles in allem war es wieder eine geile Tour in der Waller-Welt!  

Die zwei Wochen in der Waller-Welt neigten sich dem Ende und wir machten alles für die Rückreise startklar. Nach einigen Fischen, diversem Chaos, wie ich es noch nicht zuvor erlebt habe und jede Menge Wehmut, ging es nun zurück nach Deutschland. Dort warten demnächst meine Guiding-Touren auf mich, die Fishing-Masters-Show steht an und einige Berichte sind zu schreiben. Die Arbeit ruft! 
In diesem Sinne gilt es wiederum ein dickes Dankeschön für eine geile Zeit an Markus Eule, Jan Klösch und Uli Scheuerer auszusprechen. Jungs, wir vermissen euch jetzt schon und freuen uns auf Oktober, wenn es zu einer Neuauflage kommt!
 

Schleimige Grüße wünscht euch
Ruwen Koring

(Wallerteam Catfish-Hunters & Team Black Cat)


Ein kleiner Bilderauszug der Tour: